– Fotografiert von Peter und Bäckermeister Fucke –
Es ist hier mehr die Geschichte, als das Rezept für unser Kochtheater, das uns Bäckermeister Karsten Fucke aus dem Magni-Viertel in Braunschweig verraten hat.
In Kindheitstagen kam jedes Jahr zu Weihnachten aus Braunschweig von Tante Doris und Onkel Karl-Heinz ein Päckchen, das auch einen frischen Schlesischen Mohnsemmel enthielt. Nach original schlesischem Rezept, was denn sonst, handgemacht! Über 1.3 kg Kindheitserinnerungen schon von unserer Mutter und ihren Schwestern. Wie wichtig dieser Mohnsemmel auch für uns wurde, merkten wir spätestens, wenn er mal verspätet eintraf! Da gab es schon mal lange Gesichter oder gar Tränen. Ohne den Mohnkuchen gab es in der Forsthausstraße in Frankfurt ab den 1960er Jahren kein Weihnachten!
Nun wollte ich 2018 an diese schöne Tradition erinnern und erkundigte mich nach der Bäckerei (Fucke), um zu Vaters Geburtstag im Oktober 2018 einen solchen Kuchen zu bestellen. Doch leider gab es den in dem Moment nicht. Aber ich hatte damit den Kontakt zum Bäcker.
Ein neuerlicher Versuch, einen Gutschein für einen solchen Mohnsemmel anläßlich Doris 90. Geburtstag zu verschenken (warum jetzt nicht mal zurückgeben, was wir so viele Jahre erhielten), führte zur Nachricht, dass der Bäcker inzwischen aufgegeben habe!

Doch ich hatte seine Handynummer! Und meine Frage, ob er nicht doch zu Weihnachten noch mehrere Mohnsemmel herstellen könne, motivierte ihn dermaßen, dass er zusagte!!!!!! Denn der Laden war zwar verkauft, die Backstube im Hof aber war ihm verblieben!
So gab es im Jahr 2019 eine vorläufig letzte Sonderanfertigung für uns alle, „The Last Edition – Schlesischer Mohnsemmel„. Diese Köstlichkeit habe ich auch an meine Geschwister von Hamburg bis München verschicken lassen. Kindheitserinnerungen eben!
Doch diese Aktion sprach sich herum. Und führte dazu, dass Bäckermeister Fucke seitdem jedes Jahr zur Weihnachtszeit seinen Backofen im Hof noch mal anheizt und für inzwischen viele Fans diese Spazialität backt, so dass sich das lohnt.
Ein riesiger Dank an Karsten Fucke, der uns auf meine Anregung hin sogar Fotos aus der Backstube schickte!
Wir haben dieses Kunstwerk Schlesischer Backkunst sehr genossen!
Bilderstrecke aus Karsten Fuckes Backstube 2019:








DAS REZEPT (heruntergerechnet f. einen Mohnsemmel 1400g):
- 600g Hefeteig
(ein klassischer guter Butterhefeteig, das sei wichtig)!- 150 ml lauwarme Milch
- 21 g Frischhefe
- 70 g Zucker
- 450 g Mehl, fein gesiebt
- 1 Ei
- 1 Prise Salz
- 130 g weiche Butter
- Die Hefe in der lauwarmen Milch zerbröseln, mit 1 TL Zucker darin auflösen und 15 Minuten gehen lassen.Mehl in eine Schüssel sieben, das Ei, 50 g weiche Butter, Salz und weitere 3 EL Zucker zufügen. Hefemilch angießen und alles kräftig kneten, bis der Teig sich vom Schüsselrand löst. Zugedeckt an einem warmen Ort ca. 45 Minuten gehen lassen.Inzwischen die übrige Butter schmelzen.
Backofen auf 180° (160 °C Umluft) vorheizen.Den gegangenen Hefeteig noch einmal kurz durchkneten. Auf leicht bemehlter Arbeitsfläche rechteckig ausrollen. Die flüssige Butter auf die Hefeteigplatte pinseln.
- 800g Mohnfüllung
(Das ungewöhnliche Ungleichgewicht zwischen Füllung und Teig, das die Gefahr der Bildung von Hohlräumen birgt, erklärt sich daraus, dass der Schlesier es auf die Füllung abgesehen hat, den Teig nur zum Halten des Mohns benötigt!)
Die Originalmengen, heruntergerechnet f. 1 Mohnsemmel:- 238 g Pudding
- 312 g Kristallzucker
- 200 g Mohn
- 50 g Paniermehl
(DIE ORIGINALMENGEN:)
- 4,2 kg Vanillepudding (frisch gekocht, noch heiß!)
- 3,5 kg gemahlenen Mohn
- 5,5 kg Kristallzucker
- 900 g Paniermehl, schön fein, sonst bilden sich weiße Stellen in der Füllung
- Die Mohnfüllung mit dem noch heißen Pudding ansetzen, vermengen und stehen lassen (kann man auch am Vortag machen)
- Teig in A3-Blätter große Stücke ausrollen
- Mit der Mohnmasse (ca. 1cm) bestreichen
- Von beiden kurzen Enden je eine Rolle wickeln
- In Kastenform (6-7 cm hoch / 10-12cm breit / 20cm lang) setzen
- Backen: 40 Minuten bei 180°
- auskühlen lassen
- Puderzucker mit Wasser anrühren und damit bestreichen
Fertig ist dieses Geheimnis Schlesischer Backkunst.